„Die Wiege des Bordeaux“ nennt Harald Ecker (Bordeaux) die Appellation Graves. Denn entdeckt wurde das Anbaugebiet bereits Jahrhunderte vor dem Médoc.
Graves steht für Flussuferlagen mit Sand, Kies und Kieselsteinen am linken Ufer der Garonne. Im Norden der Graves führen Fluss und Böden weiter ins südliche Médoc. So haben die Lagen beider AOC die Bodenstrukturen gemeinsam.
Den Norden der Graves bildet nahe der Stadt Bordeaux die Appellation Pessac-Léognan. Benannt ist sie nach den Orten Pessac im Norden und Léognan im Süden. Die Rebanlagen umgeben zum Teil die Stadt Bordeaux und begleiten die Garonne am linken Ufer in Richtung Süden. Mit ca. 35 % ist Pessac-Léognan Bestandteil der AOC Graves auf ca. 4.000 Hektar Rebfläche. 1987 führten die Weingüter des Pessac-Léognan eine Trennung herbei, um die Qualität ihrer Weine zu betonen. Seither führen sie die Bezeichnung „Cru Classé de Graves“. Das Terroir der AOC Pessac-Léognan ist mit ihren groben Kiesböden (frz. graves) unterschiedlich und vielfältig. Neben der guten Drainage verleihen Bodenstrukturen aus Sand, Ton und Kalkstein den Weinen eine besondere Mineralität.
Für ihre Rot- als auch Weißweine ist die Region bekannt. Die roten Weine entstehen aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Petit Verdot. Bei den Weißweinen spielen Sauvignon Blanc, Sémillon und Muscadelle eine wichtige Rolle. Die Rotweine wirken elegant, mit guter Struktur und Tanninreichtum. Sie zeigen Aromen von dunklen Früchten, Tabak und Gewürzen. Frisch und mineralisch sind die Weißweine mit ihren Zitrus- und Blütennoten. Neben den Rotweinen sind auch die Weißweine des Pessac-Léognan für ihr Reifepotenzial bekannt.
Renommierte Weingüter entstanden in Pessac-Léognan bereits vor mehreren hundert Jahren: Château Haut-Brion (im Jahre 1553), La Mission Haut-Brion (17. Jh.) oder Pape Clément (13. Jh.). Haut-Brion führt mit dem Rang des Premier Grand Cru Classé als einziges Château die Bordeaux-Klassifizierung von 1855 an.
